Zusammenarbeit beginnt lange vor dem Meeting
Wenn Teams Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit erleben, richtet sich der Blick häufig auf Meetings.
Die Agenda ist zu lang. Es sprechen immer dieselben Personen. Entscheidungen dauern zu lange. Informationen gehen verloren. Dann werden Besprechungen optimiert.
Neue Moderationsmethoden werden eingeführt. Die Agenda wird angepasst.
Es werden Regeln für Wortbeiträge vereinbart. All das kann hilfreich sein.
Und trotzdem verändert sich häufig erstaunlich wenig.
Warum?
Weil Zusammenarbeit nicht im Meeting entsteht.
Sie wird dort lediglich sichtbar.
Menschen betreten einen Besprechungsraum nicht neutral.
Sie bringen ihre Erfahrungen der vergangenen Tage und Wochen mit.
Sie erinnern sich daran,
ob ihre Meinung zuletzt ernst genommen wurde,
ob Zusagen eingehalten wurden,
ob Kritik willkommen war,
ob Fehler offen angesprochen werden konnten,
ob Führung berechenbar gehandelt hat.
Noch bevor jemand den ersten Satz sagt, beantwortet das Nervensystem bereits eine entscheidende Frage:
Bin ich hier sicher?
Ist die Antwort "Ja", beteiligen sich Menschen.
Ist die Antwort "Vielleicht" oder "Nein", wird abgewogen.
Dann werden Gedanken zurückgehalten.
Probleme vorsichtiger formuliert.
Ideen nicht ausgesprochen.
Nicht aus mangelnder Motivation.
Sondern aus Selbstschutz.
Deshalb ist Schweigen in Meetings häufig kein Zeichen von Zustimmung.
Es kann genauso gut Unsicherheit bedeuten.
Oder die Erfahrung:
"Beim letzten Mal hat ohnehin niemand zugehört."
Vertrauen entsteht nicht in einem Workshop.
Es wächst aus vielen kleinen Erfahrungen.
Werden Absprachen eingehalten?
Werden Informationen transparent weitergegeben?
Werden Konflikte frühzeitig angesprochen?
Werden Fehler genutzt, um gemeinsam zu lernen – oder um Schuldige zu suchen?
Ebenso wichtig ist Klarheit.
Unklare Erwartungen kosten Energie.
Wenn Mitarbeitende ständig überlegen müssen:
"Bin ich dafür überhaupt zuständig?" oder "Wer entscheidet das eigentlich?",
bleibt weniger Kraft für Zusammenarbeit.
Statt gemeinsam Lösungen zu entwickeln, beschäftigen sich Menschen damit, Orientierung zu finden.
Deshalb beginnt Zusammenarbeit lange vor dem Meeting.
Sie beginnt dort, wo Führung Orientierung gibt.
Wo Verantwortung klar geregelt ist.
Wo Menschen respektvoll miteinander sprechen.
Wo Zusagen eingehalten werden.
Wo Rückmeldungen ernst genommen werden.
Ein gutes Meeting ist deshalb nicht der Ausgangspunkt guter Zusammenarbeit.
Es ist ihr Spiegel.
Wer bessere Meetings möchte, sollte deshalb zuerst fragen:
Wie erleben Menschen die Zusammenarbeit zwischen den Meetings?
Denn dort entscheidet sich, ob Vertrauen wächst.
Oder verloren geht.





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